Soooo, es ist Montag und das nächste Kapitel wartet bereits auf euch.
Vielen lieben Dank für die tollen Kommentare

Ich hoffe, ihr versteht, dass ich nicht näher auf die einzelnen Spekulationen eingehe, aber da würde ich einfach zu viel verraten.
Auf jeden Fall freue ich mich, dass Louisa einen so großen Anklang gefunden hat.
Sie ist aber auch eine ausgesprochen dynamische alte Danke
Und nun dürft ihr erleben, wie jemand gewaltig auf den Tisch haut ...
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Kapitel 43: When all is lost
25. Oktober 2010 - Eden, Georgia
Sam stöhnte, als er sich vom Boden erhob und merkte, dass ein heftiger Schmerz durch seine Schulter schoss, mit der er gegen den Baum geprallt war. Er fühlte sich einen Moment benommen, dann jedoch sah er Dean, der ein Stück weiter auf dem Boden lag. Am Gesicht seines Bruders konnte er erkennen, dass dieser Schmerzen leiden musste. Doch da war noch etwas anderes in seinem Gesicht, Panik und namenlose Furcht.
Sam spürte, wie eine eisige Hand nach seinen Eingeweiden griff. Irgendetwas war mit Dean nicht in Ordnung und es musste, nach dem Ausdruck in dessen Augen zu urteilen, etwas Entsetzliches sein.
Der Schmerz in seiner Schulter war vergessen und wurde von Sorge verdrängt, als er zu Dean lief.
Er beugte sich zu seinem Bruder hinunter und bemerkte Blut, das unter ihm hervorlief und eine kleine Pfütze neben ihm bildete.
„Was ist passiert?“ Schwindel erfasste Sam, doch er riss sich zusammen, um seinen Bruder nicht merken zu lassen, dass auch er verletzt war.
„Schon okay“, murmelte Dean ein wenig erstickt. „Ich bin nur etwas benommen. Bin auf irgendwas gefallen und das steckt jetzt in meinem Rücken.“ Er knurrte unwillig, als er sich vorsichtig bewegte.
Langsam setzte er sich auf, verzog das Gesicht vor Schmerz, aber gleichzeitig hätte er jubeln können, denn die Schmerzen zogen sich durch seine Beine. Es fühlte sich an, als ob ihm beide Beine eingeschlafen wären und nun das Leben in sie zurückkehrt.
Sam richtete sich auf und streckte ihm die Hand entgegen.
„Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Alter.“
Dean grinste schief, ergriff die Hand seines Bruders und zog sich hoch.
Ein leiser Schrei entfuhr seinen Lippen, als sich sein Körper vom Boden löste und der Schmerz drohte ihn einen Moment lang wieder in die Knie zu zwingen.
Dann atmete Dean ein paar Mal tief durch und der Schmerz ließ nach.
Sam stützte ihn einen Augenblick, dann konnte er wieder aus eigener Kraft stehen und nun sahen sie auch, was es war, das Dean verletzt hatte.
In einem dicken Ast, der am Boden lag, steckte ein bösartig aussehender, gezackter Wurfstern, dessen nach oben stehenden Zacken blutverschmiert waren. Deans Blut, das eine Lache rund um den Platz bildete, an dem er gelegen hatte.
„Meine Fresse“, jappste Sam. „Das ist ja ein fieses Teil, das du dir da eingefangen hast.“
Dean starrte auf die Waffe, an deren Spitzen glänzende Blutstropfen hingen. Einen Moment lang dachte er, was für ein verdammtes Glück es gewesen war, dass die messerscharfen Spitzen nicht in sein Rückenmark eingedrungen waren, sondern offensichtlich nur den Muskel seitlich der Wirbelsäule verletzt hatten, dann verdrängte er den Gedanken ganz schnell. Er wollte lieber gar nicht wissen, was es gewesen war, dass ihn für einen entsetzlichen Moment paralysiert hatte. Vielleicht war es der Schock des Aufpralls gewesen, vielleicht auch ein Nerv, der zeitweilig eingeklemmt war.
Er wusste es nicht, aber wenn er ganz ehrlich war, war es ihm auch egal.
Das Kribbeln und Ziehen in den Beinen war schmerzhaft und unangenehm, aber er war mehr als glücklich, es zu fühlen.
Gemeinsam mit Sam sah Dean sich um und entdeckte Kendra, die, nachdem sie augenscheinlich versucht hatte, die Kräfte der Natur gegen die Dämonen zu mobilisieren, nun ihre Anstrengungen unterbrochen hatte.
Dean fragte sich, warum, denn er fand es schon ziemlich beeindruckend, was sie erreicht hatte. Die Luftwirbel, die sie geschützt, die Äste und Wurzeln der Bäume, die die Dämonen bekämpft hatten und dazu das Beben des Bodens, das mehr als ein paar ihrer Gegner durchgeschüttelt und aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.
All das war imposant und effizient gewesen und es war ihm unverständlich, warum sie nun aufhörte und sich in Bewegung setzte.
Dann sah er Castiel und ihm stockte der Atem beim Anblick des blutenden Engels, der am Boden kniete.
Was immer Anor ihm angetan hatte, es hatte eine unübersehbare Wirkung auf Castiel, der sich kaum noch aufrecht halten konnte.
Dean wollte losstürzen und seinem Freund zu Hilfe eilen, doch in dem Moment hielt Sam ihn am Arm fest. Sein Blick war auf das gerichtet, was Kendra nun tat.
oooOOOooo
Mit einem Schlag wusste Kendra, was ihr Problem war, an welcher Stelle ihres Selbst sie zerbrochen und unvollständig war. Es war ihr unmöglich, wirklich mächtige Magie zu wirken und die Ursache dafür lag tief in ihr selbst. Die Antwort lag plötzlich mit kristallklarer Präzision vor ihr, dass es ihr einen Moment lang den Atem verschlug.
Sie horchte in sich hinein, noch immer überwältigt von der Schlichtheit des Problems, und fand den zerborstenen Teil ihrer Seele.
Mühsam kämpfte sie sich auf die Füße, schluckte die Übelkeit hinunter, die der plötzliche Schmerz bei ihr auslöste, und ging wankend ein paar Schritte.
Sie versuchte sich in dem Chaos, das auf dem Schlachtfeld herrschte, zu orientieren und stellte entsetzt fest, dass die Jäger auf verlorenem Posten kämpften.
Anor hatte sich von der Stelle fortbewegt, an der er sein stummer Kampf mit Castiel stattgefunden hatte, und stand nun auf einer kleinen Anhöhe, die Arme erhoben, fast animalisch anmutende Schreie ausstoßend, die seine Dämonen zu ihm riefen. Er blutete aus Wunden in seinen Flanken, doch das schien ihn nicht im Mindesten zu beeindrucken.
Noch waren die Dämonen nicht bei ihm angekommen, viele von ihnen noch in Kämpfe verstrickt, aber dennoch war erkennbar, dass sie versuchten, dem Ruf zu folgen.
Kendra ließ ihre Blicke suchend über das Durcheinander schweifen und dann sah sie ihn.
Castiel war an der Stelle, an der Anor ihn losgelassen hatte, auf die Knie gesunken, Blut lief ihm aus Augen, Nase, Ohren und Mund. Sein Blick war eine Mischung aus Schmerz und Verzweiflung, denn all seine Qual schien völlig umsonst gewesen zu sein. Es war ihm nicht gelungen, Anor aufzuhalten, noch hatte er auch nur eine Schwächung von dessen Macht bewirken können. Diese Enttäuschung war ihm deutlich anzusehen und neben dem Schmerz, den Anor ausgelöst hatte, quälte ihn dieses Versagen.
Sie riss sich von dem Anblick des besiegten Engels los und richtete sich gerade auf.
Wie von Zauberhand waren Schmerz und Niedergeschlagenheit von ihren Zügen gewischt und die Sicherheit einer klaren Lösung erhellte ihre Augen.
Langsam, fast gemessen, als wäre sie völlig unbeeindruckt von dem Durcheinander um sie herum, ging sie auf Castiel zu.
Vor ihm blieb sie stehen, beugte sich zu ihm herunter, legte ihm die Hände auf die Schultern und sah ihm in die blutigen Augen. Dann schloss sie ihre Augen für einen Moment und horchte tief in sich hinein.
Als sie die Augen wieder öffnete, war ein tiefer Frieden in ihrem Blick. Sie beugte sich herab, küsste Castiel auf die Stirn und sagte leise: „Ich vergebe dir, Castiel.“
Die Augen des Engels weiteten sich, als er die Tragweite ihrer Worte begriff.
oooOOOooo
Obwohl Dean klar war, dass Kendra nicht sehr laut gesprochen hatte, konnte er ihre Worte dennoch hören, fast so, als würden sie direkt in seinem Kopf ertönen. Er sah zu Sam und der Ausdruck in dessen Augen zeigte ihm, dass auch Sam sie gehört hatte.
Es war ein irritierendes Gefühl, aber gleichzeitig erschien es Dean merkwürdig normal.
Er sah zu der Hexe, während sie langsam von Castiel weg trat und sich den Dämonen zuwandte.
Kendra wirkte plötzlich größer, mächtiger, als zuvor und ihr Gesicht strahlte vollkommene Ruhe aus.
Sie hob die Arme und was dann geschah, war ein Inferno, dessen Macht Dean tief in seinem Inneren erschütterte.
Sie stand dort, wie eine Statue, die Arme in den Himmel gereckt und schrie Worte in den tosenden Sturm.
Der See, der gerade noch friedlich da gelegen hatte, erhob sich und wilde Wasserwirbel rissen die Dämonen mit, die das Pech hatten, nahe dem Wasser zu stehen. Die Erde erbebte, als wolle sie sich gegen ihre finsteren Bewohner erheben, Dreck und Sand erhoben sich in mächtigen Wirbeln und einem Tornado gleich fegten sie Dämonen fort. Bäume bewegten sich und die Äste der alten Weiden schlugen nach den Dämonen, als besäßen sie einen eigenen Willen. Und vielleicht war das sogar so, dachte Dean, als er fasziniert auf das Schauspiel blickte. Das Schrecklichste und zugleich Beeindruckendste aber war die Feuerwand, die aus dem winzigen Flämmchen entstanden war, das Kendra aus ihren Händen auf den Boden gesetzt hatte.
Die Feuerwand bewegte sich auf den See zu, verbrannte Dämonen, die in ihrem Weg standen, und trieb die, die geistesgegenwärtig genug gewesen waren, loszulaufen, vor sich her.
Gleichzeitig schoben sich die Wassermassen des Sees auf das Ufer zu, traten darüber hinweg und alle Gesetze der Physik ignorierend bewegte sich das Wasser auf die Feuerwand zu.
Zwischen ihnen eingeklemmt vergingen die Dämonen mit lautem Geschrei und Gezeter, einige ertranken in der Flut, die weniger glücklichen verbrannten bei lebendigem Leib.
Das Chaos war unbeschreiblich, doch Dean hatte das Gefühl, die Elemente wussten sehr genau, was sie taten und ihre Choreografie war nur einfach zu fremdartig, als dass Menschen sie verstehen konnten.
Er bemerkte Bobby, der mit einer blonden Jägerin mit Armbrust und einer alten Frau – Dean widerstand dem Drang, sich die Augen zu reiben, denn es war tatsächlich diese alte Frau, die zu den Zeugen gehört hatte und nun ein blutiges Messer fest umklammert hielt, die Lippen entschlossen zusammengekniffen – fasziniert auf das Spektakel schaute.
Er wollte aufschreien und sie warnen, als er sah, wie ein abgespaltener Teil der Feuerwand einer Lanze gleich mit der Geschwindigkeit eines Buschfeuers auf die kleine Gruppe zu raste.
Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, zu erkennen, warum das Feuer sie scheinbar angriff. Hinter ihnen rappelte sich eine Gruppe von sechs Dämonen auf, die beim Beben der Erde durcheinandergewirbelt worden waren und die nun die Gelegenheit sahen, ein paar Jäger zu vernichten, bevor sie selbst den Elementen zum Opfer fielen.
Sam schien die gleiche Szene zu beobachten, denn er wollte gleichzeitig mit Dean losrennen, um Bobby zu helfen, aber er sah, dass sie keine Chance haben würden. Erreichten die Dämonen die kleine Gruppe zuerst, würde der Kampf sie zu lange aufhalten, um sich noch rechtzeitig vor dem Feuer in Sicherheit zu bringen. Und die Chancen standen auch nicht gerade gut, derartig angeschlagen den Kampf mit den Dämonen zu bestehen. Andererseits, erreichte sie die Feuerwand zuerst, würden sie verbrennen, ohne Wenn und Aber.
Dann sah Dean, wie ein Baum sich beugte, seine langen, biegsamen Äste auszustrecken schien wie Arme, die drei Personen packte und aus dem Weg zog. Mit einer Leichtigkeit und Kraft, die sich vollständig ihrem Verständnis entzog, bugsierte der Baum Bobby und seine zwei Begleiterinnen aus der Gefahrenzone und setzte sie sanft ein paar Meter weiter ab.
Erleichtert wandte Dean sich ab und versuchte, Anor auszumachen, um zu sehen, was er gerade tat.
Das Inferno der Natur war gut, um die Dämonenarmee auszuschalten, aber das eigentliche Ziel war immer noch Anor und sie mussten einen Weg finden, ihn zu vernichten.
-tbc
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